Neuro Enhancement

Neuro Enhancement

 

Neuro Enhancement

 

Unter Neuro Enhancement versteht man den Versuch, gesteigerte Konzentration und Leistung des Gehirns durch gezielte Einnahme von Wirkstoffen zu erreichen. Neuro Enhancer werden im Deutschen umgangssprachlich als IQ-Pillen, Glücksdrogen oder Wachmacher bezeichnet. Es handelt sich um Substanzen, die meist oral eingenommen auf die Gehirnchemie einwirken, um kognitive oder mentale Fähigkeiten zu steigern („Gehirn Doping“). Neuro Enhancement hilft z.B. die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern und Müdigkeit, Stresssymptome und Leistungsabfall vorzubeugen. Die Wirkstoffe werden bereits in Therapien eingesetzt, erfreuen sich aber auch bei Berufstätigen und Studenten immer größerer Beliebtheit, die dadurch den Leistungsdruck und immer höher werdende Anforderungen abfedern wollen. Studien zu Neuro Enhancement zeigen, dass gerade Studierende diese Mittel bevorzugen. In Deutschland findet derzeit eine kontroverse Diskussion um Neuro Enhancement statt. Anhänger weisen auf die Vorteile gesteigerter Leistungsfähigkeit und verweisen auf risikolose Medikamente. Kritiker werfen dagegen ein, dass es bislang keine Mittel ohne Nebenwirkungen gibt und dass neben medizinischen Aspekten auch eine moralisch-ethische Verantwortung zu sehen ist. Studien über Neuro Enhancement sind bislang noch selten.

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Wirkung

Die körperliche Befindlichkeit wird dem Gehirn durch Botenstoffe (Hormone) signalisiert. Die Übertragung findet bei den Synapsen der Nervenzellen statt. Die Neuro Enhancer wirken nun an dieser Stelle ein, indem sie entweder die Ausschüttung von Botenstoffen fördern oder diese unterbinden. Dadurch wird die Gehirnchemie verändert, was sich auf den Gemütszustand auswirkt. Man fühlt sich nicht mehr müde oder „ausgepowert“. Neuro Enhancement ist in der Lage, die Leistung und das Befinden des Menschen zu verändern. Kaffee kann z.B. als leichter Neuro Enhancer angesehen werden, da er Müdigkeit unterdrückt. Andere Neuro Enhancer wirken allerdings viel stärker. In der Medizin und Pharmazie gibt es allerdings auch eine Gruppe von Forschern, die die Meinung vertritt, dass Neuro Enhancement in gesunden Gehirnen überhaupt keine Wirkung entfalten können. Diese These hat jedoch bislang noch nicht durch Studien belegt werden können.


Medikamente

Viele der Neuro Enhancer sind bereits klinisch in Therapien in Gebrauch. Ihre Nebenwirkungen sind oftmals hinlänglich bekannt und werden in Kauf genommen, da die Krankheitssymptome schwerer wiegen. Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auftreten. Allerdings sind keine Studien über die Verwendung dieser Medikamente in einer gesunden Gehirnchemie vorgenommen worden. Im Folgenden eine kurze, unvollständige Liste der gebräuchlichsten Neuro Enhancer. Viele der hier beschriebenen Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

Methylphenidat (Ritalin): Ein Kokainderivat, das bei ADHS-Patienten eingesetzt wird, um deren Aktivitätsphasen zu regulieren. Es sorgt für einen Dopaminanstieg im Körper und ist konzentrationssteigernd. Es kann jedoch zu Abhängigkeit, psychischen Anomalien, Aggression sowie Herzstörungen führen.
Modafinil: Es wird gegen Narkolepsie eingesetzt und führt zu einer gesteigerten Aufnahmefähigkeit. Das Medikament unterbindet die Aussendung von Botenstoffen, die zur Müdigkeit führen. Folgen können Schwindel, Durchfall oder Übelkeit sein.

Piracetam: Ein Mittel gegen Demenz, dessen Wirkungsweise nicht genau bekannt und demnach auch umstritten ist. Es führt zu kurzfristiger Leistungssteigerung durch Anregung des Stoffwechsels. Allerdings sind zahlreiche Nebenwirkungen vorhanden – Schlafstörungen, Übelkeit, Durchfall und Depressionen.


Amitriptylin: Ein Antidepressivum, das die Stimmung aufhellt. Es hemmt die Übertragung von Hormonen sowie erhöht den Serotoninspiegel in der Synapse. Es wird bei Depressionen eingesetzt. Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel und Kreislaufprobleme.

Fluoxetin: Ein sehr umstrittenes Medikament gegen Depression, weil es den Serotininspiegel erhöht, gleichzeitig aber auch die Suizidgefahr erheblich erhöht. Es wird als „Glücksdroge“ eingenommen.


Metoprolol: Betablocker, der gegen Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird. Auch bei Migräne oder Bluthochdruck. Er ist vor allem bekannt zur Hemmung von Angsthormonen. Viele in der Öffentlichkeit Stehende nehmen dieses Mittel gegen Lampenfieber oder Stress ein. Die Nebenwirkungen sind ebenfalls zahlreich und reichen von Müdigkeit bis hin zu Impotenz.

Donepezil: Durch Einwirken in den Acetylcholinspiegel in der Synapse der Nervenzelle soll eine erhöhte Denkleistung bewirkt werden. Nach Einnahme steigt das Denk- und Erinnerungsvermögen an. Es wird in der Medizin bei Alzheimer-Patienten eingesetzt. Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit bis hin zu Halluzinationen.

Oxytocin: Dieses Hormon wirkt auf das Bindungsverhalten des Menschen ein, es führt zu einem gesteigerten Vertrauen und wird deswegen als Treue-Hormon bezeichnet. Nach Einnahme fassen Menschen schneller und intensiver Vertrauen zu ihnen auch unbekannten Personen. Menschen werden für Betrugsversuche anfälliger. Bislang bekannte Nebenwirkungen sind Hautausschläge sowie Kreislaufprobleme.
Enada: Das körpereigene Hormon NADH (Nikotinamidadenindinukleotid) ist leistungsfördernd und soll darüber hinaus auch auf den Alterungsprozess positiv einwirken. Bislang sind auch nach hohen Dosierungen keinerlei Nebenwirkungen bekannt.

Ampakine: Es handelt sich um eine neue Art von Wirkstoffen, die an die Glutamat-Rezeptoren der Synapse anbinden und so die Reizübertragung erhöhen. Sie erhöhen so die Erinnerungsleistung. Bei Experimenten konnte die Erinnerungsleistung von Probanden enorm gesteigert werden. Langfristig waren allerdings keine Verbesserungen zu sehen. Ampakine werden heute nur in seltenen Fällen medizinisch eingesetzt. Sie sind noch in der Experimentalphase. Nebenwirkungen sind nur wenige bekannt wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit.

 

Gefahren

Die meisten Medikamente haben schwere Nebenwirkungen. Es gibt kaum Studien, wie sich diese Mittel auf eine gesunde Gehirnchemie auswirkt. Lediglich im Falle von Modafinil ist bekannt, dass es bei gesunden Probanden zu keiner Leistungsverbesserung kam, sondern zu einer Abnahme. Generell gesehen führen hohe Dosierungen zu einem Leistungsabfall. Auch kann der Körper für manche Medikamente eine Toleranz entwickeln, die Einnehmende dann über höhere Dosen kompensieren, was zu höheren Nebenwirkungen führen kann. Eine langfristige Einnahme von Ritalin zerstört die natürliche Dopaminfreisetzung in der Nervenzelle und führt so langfristig zu einem Ausfall der Konzentrationsleistung. Langzeitstudien liegen noch gar keine vor, so dass gesundheitliche Auswirkungen überhaupt nicht abschätzbar sind. Einige Medikamente machen bei regelmäßiger Einnahme abhängig. Körperliche wie auch psychische Veränderungen können die Folge sein, sogar Depressionen und Suizidgefahr. Herzrhythmusstörungen sind bekannte Nebenwirkungen der meisten Medikamente. Amerikanische Studenten wiesen Artikulationsprobleme nach Einnahme von Neuro Enhancer auf, die sich in schnellem Sprechen und langen Schweigephasen äußerten. Auch eine langfristige Veränderung der Gehirnchemie kann nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommt, dass die Neuro Enhancer die Symptome unterbinden, aber nicht deren Ursachen. Müdigkeitssymptome verschwinden, aber der Körper hat keinen Schlaf erhalten. Dies kann zu Schlafstörungen führen. Auch Essstörungen sind aufgetreten. Durch das Eingreifen in die Neurochemie wird der Biorhythmus verändert. Bislang sind keine Neuro Enhancer auf dem Markt, die frei von Nebenwirkungen sind, auch wenn die pharmazeutische Industrie an diesen forscht.

Neuo Enhancement, das die mentale Leistung fördert, ist ein nicht natürlicher Eingriff in die Gehirnchemie. Dies trifft aber auch auf Kaffee, Tee oder Zigaretten zu. Generell gilt, in Maßen eingenommen ist nicht mit langfristigen Schäden zu rechnen, da der Körper den veränderten chemischen Haushalt ausgleichen wird. Langzeitstudien zu Neuro Enhancement liegen bislang noch nicht vor, so dass hier noch keine Abschätzung vorgenommen werden kann. Letztendlich ist es eine moralische Frage, die jeder Konsument erst einmal für sich selber entscheiden muss.